31.08.2006

Reserven im Kopf - psychische Stärke kann trainiert werden


In Rheda-Wiedenbrück entsteht eine Akademie für mentales Sportcoaching.

Bericht in der Frankfurter Allgemeine Zeitung

FRANKFURT. Jürgen Klinsmann hat vieles richtig gemacht, wie die Sportnation inzwischen weiß, nicht nur bei der Auswahl der Nationalspieler, auch bei der Besetzung des Teams hinter dem Team. Zu dieser Crew von Spezialisten gehörte auch ein Mentaltrainer. Diese Berufsgruppe war im Fußball beinahe in Vergessenheit geraten. Die Mentaltrainer hatten zu Christoph Daums Zeiten in Leverkusen von sich reden gemacht. Fußballspieler liefen über Glasscherben und fühlten sich eine Weile unglaublich selbstbewußt, in der Annahme, sie hätten ihre Grenzen überschritten; andere vollführten den Kraftakt, eine Eisenstange mit dem Kehlkopf zu verbiegen. Derlei Aha-Erlebnisse haben ihren Wert rasch wieder verloren, weil sie gegen Blockaden, Ängste und Zwänge nicht nachhaltig zu wirken vermochten. Die Show-Effekte nutzten manchem Unternehmensberater mehr als den Athleten.

Der Erfolg der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft könnte helfen, den tieferen, gerade im Fußball noch verschütteten Sinn mentalen Sportcoachings freizulegen. "Die WM ist das beste Beispiel, wie man eine Mannschaft coacht", sagt der Mentaltrainer Thomas Köhler. Der Diplom-Ökonom sieht "Parallelen zwischen einer Fußballmannschaft und der Abteilung eines Wirtschaftsunternehmens". Ein großes Turnier sei vergleichbar mit einem bedeutenden Projekt.

Klinsmanns Mitarbeiter, der Diplom-Psychologe Hans-Dieter Hermann, hielt sich im Hintergrund und verrichtete seine Kopfarbeit unter Verzicht auf medienwirksame Aktionen. Ob die Methoden effekthascherisch sind oder seriös: Im deutschen Fußball herrscht noch Mißtrauen, wenn es darum geht, die Seele in einem gesunden oder, nach einer komplizierten Verletzung, nicht mehr gesunden Körper zu trainieren. Sportpsychologie werde oft mit Psychiatrie gleichgesetzt, sagt Hermann. Der Basketballstar Dirk Nowitzki formuliert es noch drastischer. In Deutschland sei diese Art der Wettkampfvorbereitung zu lange unterschätzt worden, "als ob das nur etwas für Sportler mit Dachschaden wäre. Ich habe in den Vereinigten Staaten gelernt, wie wichtig Freiheit im Kopf ist".

Dieser Freiheit will Heike Küst in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Die gelernte Krankenschwester, die inzwischen als Gesundheitscoach arbeitet, glaubt eine Marktlücke entdeckt zu haben. Es gebe viel zuwenig qualifizierte Mentaltrainer, die auf den Sport spezialisiert seien, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Thomas Köhler gründete sie die "Deutsche Akademie für mentales Sportcoaching" in der westfälischen Stadt Rheda-Wiedenbrück. Dort können sich Trainer von November an in drei Stufen zu Mentaltrainern weiterbilden. Um den Rang eines "Masters" zu erreichen, muß der Auszubildende nach Abschluß der ersten beiden Sequenzen ein Jahr lang praktische Erfahrung sammeln, auf der die letzte Kurseinheit aufbaut. "Wir werden uns bemühen, für unsere Klienten Praktikumsplätze in Vereinen zu bekommen, damit sie sich weiterentwickeln können", sagt Köhler. Mentales Sportcoaching sei nicht dem Spitzensport vorbehalten. "Es funktioniert auf allen Leistungsstufen." Ob Profi oder ambitionierter Amateur: Wenn Talent und Physis ausgeschöpft seien, könne nur noch eine starke Geisteshaltung den Grenznutzen erhöhen. Der Skispringer Jens Weißflog, einst Gewinner der Vierschanzentournee, hat die Bedeutung mentaler Kraftreserven nicht in Metern gemessen und dennoch genau vor Augen gehabt. "Man kann nur so weit fliegen, wie man im Kopf schon ist." Auf dem Weg zum Seelenfrieden als Quell sportlichen Erfolges macht die Psyche des Athleten manche Irrfahrt mit. Das läßt sich - ohne harte Arbeit - nicht vermeiden. "Im Kopf liegen die größten Ressourcen", sagt Hermann. Diese Vorräte zu nutzen ist kein Kinderspiel, auch oder gerade nach einem Erfolg, wie ihn etwa die Fußballnationalelf bei der WM errungen hat. Heike Küst vergleicht die Situation der umjubelten Kicker mit den Fährnissen im Straßenverkehr: Erst haben sie den Weg aus der Sackgasse auf die Autobahn gefunden, dann sind sie auf dieser Autobahn gut vorangekommen. Aber jetzt dürfen sie nicht selbstgefällig glauben, alles laufe wie von selbst. Sie müssen weiterarbeiten, um den Weg zum nächsten Autobahnkreuz zu finden. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 sei eine andere Autobahn. Letztlich verhält die Seele sich nicht anders als der Körper. Mentaltraining sei vergleichbar mit dem Autofahrenlernen, sagt der Mentaltrainer Martin Driehorst, der einst für den Bundesligaklub Hertha BSC Berlin gearbeitet hat. Der Proband müsse sich Automatismen aneignen, die ohne großes Nachdenken vom Unterbewußtsein gesteuert würden. "Mentale Stärke ist ein trainierbarer Muskel."

RICHARD LEIPOLD

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